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Mit Hans Storch und Peter Horn während einer Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der ersten Wahlperiode 1949 bis 1953

Rechteinhaber: ACSP

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Während einer Sitzung der CSU-Landesgruppe im Bundeshaus in Bonn 1956

Rechteinhaber: Sepp Hartmann, Mindelheim

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Mit Richard Stücklen und Ingeborg Geisendörfer 1956 anlässlich einer CSU-Landesgruppensitzung in Kirchheim

Landesgruppenvorsitzender

Unter den Abgeordneten des ersten Deutschen Bundestags gehörte Franz Josef Strauß mit 33 Jahren zu den Vertretern der jüngeren Generation. Innerparteilich hatte er sich bis dahin als Landesgeschäftsführer und Vertreter des liberalen CSU-Flügels um Josef Müller profiliert sowie als Abgeordneter im Frankfurter Wirtschaftsrat einen gewissen Bekanntheitsgrad erworben. 1949 in den Deutschen Bundestag gewählt gehörte Franz Josef Strauß diesem fast 30 Jahre lang bis 1978 an. Während dieses Zeitraums stand er als geschäftsführender Vorsitzender von 1949 bis 1953 und dann als Vorsitzender von 1953 bis 1957 sowie von 1963 bis 1966 erneut an der Spitze der CSU-Landesgruppe.

 

Fünf Tage nach ihrer Wahl, am 19. August 1949, versammelten sich die neugewählten Bundestagsabgeordneten der CSU im Fraktionszimmer der CSU-Landtagsfraktion in München, um sich zu organisieren und das weitere Vorgehen abzustimmen. Als Ergebnis interner Diskussionen konstituierte sich am 31. August 1949 die CSU-Landesgruppe nach einem Vorschlag von Fritz Schäffer zwar als "bayerische Gruppe", bildete aber, dem Vorbild des Frankfurter Wirtschaftsrates folgend, zusammen mit der CDU eine Fraktionsgemeinschaft. Für die Bildung einer gemeinsamen Fraktion sprachen die gemeinsamen christlichen Grundsätze von CDU und CSU, die guten Erfahrungen bei der fraktionellen Zusammenarbeit im Wirtschaftsrat ebenso wie die Aussicht, die stärkste Fraktion im neuen Bundestag zu bilden.

Zum ersten Obmann wählten die 24 Abgeordneten der CSU Fritz Schäffer, der gleichzeitig als einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Gesamtfraktion der CDU/CSU fungierte. In einem gemeinsam mit Franz Josef Strauß verfassten Artikel, der am 23. September 1949 in der Wochenzeitung CSUnion erschien, beschrieb Fritz Schäffer die Ziele und Vorstellungen der CSU-Landesgruppe in Bonn mit den Worten ".... den föderalistischen Aufbau der Bundesrepublik zu sichern, die Sozialisierung der deutschen Wirtschaft abzuwehren und in allem dem christlichen Staatsgedanken zu dienen“. 


Nach der Berufung von Fritz Schäffer zum Finanzminister übernahm Franz Josef Strauß geschäftsführend den Vorsitz in der Landesgruppe und gehörte somit der Bundestagsfraktion als stellvertretender Vorsitzender bis zum Ende der Legislaturperiode an. Mit Beginn der neuen Wahlperiode wurde Franz Josef Strauß am 13. September 1953 zum Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe gewählt. Mit der Berufung ins Kabinett als Bundesminister für besondere Aufgaben blieb er zwar Vorsitzender, überließ aber Richard Stücklen bis 1957 die Geschäftsführung und den stellvertretenden Vorsitz in der Gesamtfraktion von CDU/CSU.

 

1962 kam es im Zusammenhang mit der Spiegel-Affäre zu einem Revirement in der Führung der Landesgruppe. Werner Dollinger, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe seit 1961, trat als Bundesschatzminister in das Kabinett Adenauer IV ein, während Franz Josef Strauß nach seiner Wahl am 22. Januar 1963 zum zweiten Mal den Vorsitz in der Landesgruppe übernahm. Während dieser zweiten Amtszeit konnte Franz Josef Strauß in Kombination mit dem Parteivorsitz die Position der CSU im Bund stärken. Dies zeigte sich etwa bei der Regierungsbildung 1965, bei der die CSU fünf Minister im Kabinett stellte. Auch mit Beginn der neuen Legislaturperiode blieb Franz Josef Strauß weiterhin Vorsitzender der Landesgruppe, wobei er Konflikten mit der Bundesregierung vor allem in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik keineswegs auswich. In Anbetracht der Finanz- und Wirtschaftskrise des Jahres 1966 hielt es Franz Josef Strauß für notwendig, das Modell der Sozialen Marktwirtschaft durch die Vorgabe von Rahmenbedingungen des Staates zu modifizieren, was Bundeskanzler Ludwig Erhard aber entschieden ablehnte. Die Haltung des Bundeskanzlers verstärkte die Zweifel an seiner Führungskraft. Sie führten schließlich zu einer Koalitionskrise, die mit dem Ausscheiden der FDP-Minister im Oktober und dem Rücktritt des Bundeskanzlers am 2. November 1966 ihren Höhepunkt erreichte. Anschließende Verhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD über eine große Koalition, an denen auch Herbert Wehner und Franz Josef Strauß beteiligt waren, konnten mit der Wahl von Kurt Georg Kiesinger zum Bundeskanzler am 1. Dezember 1966 erfolgreich abgeschlossen werden. Mit seiner Berufung als Finanzminister ging der Vorsitz der Landesgruppe von Franz Josef Strauß auf Richard Stücklen über.