Fragen zur Person
Hat sich Franz Josef Strauß aus politischen Gründen später einen zweiten Vornamen zugelegt?
Ein am 26. März 1926 ausgestellter Geburtschein des Standesamtes I der Landeshauptstadt München verzeichnete
unter der Nummer 3065 als Geburtstag den 6. September 1915 und als Geburtsnamen "Franz Joseph Strauß". In seiner
Kindheit, als Student sowie während der Militärzeit führte Franz Josef Strauß nur seinen ersten Vornamen "Franz".
Diese Praxis setzte sich auch nach 1945 fort. Zum letzten Mal erschien der erste Vorname in einem Reisepass aus
dem Jahr 1957. Bereits vier Jahre vorher, 1953, nannte ein vom Bundestag für die zweite Wahlperiode ausgestellter
Abgeordnetenausweis bereits beide Vornamen. Seit 1958 hatte sich dann die Führung der beiden Vornamen endgültig
durchgesetzt.
Über die Gründe warum sich Franz Josef Strauß zur Führung seines zweiten Vornamens entschloss, gibt es
unterschiedliche Varianten. Die bekannteste geht auf den Mentor der frühen Jahre, Josef Müller, zurück.
Josef Müller habe ihm die Führung beider Vornamen nahegelegt, weil dies "... gemütlicher klinge und sicher
gut ankomme". Eine weitere Variante besagt, dass die Führung beider Vornamen erfolgte, um eine Verwechslung
mit dem von 1958 bis 1966 für den Wahlkreis Oberbayern im Bayerischen Landtag sitzenden gleichnamigen
Abgeordneten Franz Strauß zu vermeiden.
Ist Franz Josef Strauß Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen gewesen?
Die Frage nach einer nationalsozialistischen Vergangenheit von Franz Josef Strauß wurde Ende der 70er und
Anfang der 80er Jahre u.a. im Zusammenhang mit der Kanzlerkandidatur 1980 öffentlich diskutiert. Dabei stützte
man sich auf Informationen, die über Mitgliedschaften im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund
(NSDStB) und im Nationalsozialistischen Kraftfahrer Korps (NSKK) sowie über eine Tätigkeit als
Nationalsozialistischer Führungsoffizier (NSFO) in Altenstadt Aufschluss geben sollten, sich aber bis auf einen
Fall letztendlich als haltlos erwiesen.
Zu Beginn seines Studiums im Wintersemester 1935/1936 trat Franz Josef Strauß der Deutschen Studentenschaft bei,
da durch Reichsgesetz vom 22. April 1933 alle Studenten Zwangsmitglieder der Studentenschaften werden mussten.
Bestanden anfänglich noch sogenannte
"freie Studentenschaften" mit staatlicher Anerkennung neben dem NSDStB, so wurden diese später innerhalb des
NSDStB als "Kameradschaften" weitergeführt oder lösten sich auf. Im Jahr 1936 entzog dann der NSDStB allen
alten Studentenverbindungen die Anerkennung und schloss damit die Gleichschaltungspolitik durch Personalunion
in allen Führungsämtern den alten Studentenschaften gegenüber auch formell ab. Eine aktive Zugehörigkeit zum
NSDStB lässt sich für Franz Josef Strauß jedoch auch nach diesem Zeitpunkt nicht nachweisen, da der
Mitgliedsausweis der Deutschen Studentenschaft noch im Sommer 1939 Gültigkeit besaß.
Die Mitgliedschaft von Franz Josef Strauß beim NSKK beschränkte sich auf die Jahre 1937 bis Juli 1939 und wurde
am 15. Oktober 1946 von der Spruchkammer in Schongau zwar als belastend eingestuft, jedoch gleichzeitig
"... als zwangsbedingte, nominelle Mitgliedschaft, die weder propagandistisch noch aktiv ausgeübt wurde"
gewertet. Nachdem das NSKK zwischen April 1931 und Juni 1934 eine Sondereinheit der SA gebildet hatte, wurde
es nach diesem Zeitpunkt in eine Gliederung der NSDAP umgewandelt und kurz darauf mit der Motor-SA vereinigt.
Die Tätigkeit des NSKK umfasste neben Transporten bei Heer und Luftwaffe auch die Regelung des Verkehrs. Um
eine Nichtzulassung zum Examen zu vermeiden, trat Franz Josef Strauß auf Anraten von Prof. Franz Dirlmeier
dem NSKK bei. Die von ihm gewählte Abteilung des NSKK, Sturm 23/M 86, war ursprünglich eine Stahlhelmeinheit
gewesen und nach der Auflösung des Stahlhelms in das NSKK überführt worden. Die Zusammensetzung der
vorwiegend deutschnationalen Mitglieder des Sturms verhinderte weitgehend Konflikte mit der NS-Ideologie.
Während der Mitgliedschaft hielt Franz Josef Strauß in der Funktion eines "weltanschaulichen Referenten"
Vorträge. Diese hatten nach eigenen Worten "... mit allen möglichen historischen Themen zu tun, nur nicht
mit den Nazis und ihrer Ideologie" und hingen wohl mit seiner Ausbildung zum Gymnasiallehrer zusammen.
Ab Mai 1943 war Franz Josef Strauß als Ausbildungsoffizier und Abteilungsadjudant an der Flakschule IV in
Altenstadt bei Schongau stationiert. Im Sommer des gleichen Jahres wurde in der Wehrmacht die Funktion eines
Offiziers für wehrgeistige Führung, die ohne Zustimmung der NSDAP besetzt werden konnte, eingeführt. Nach dem
Attentat vom 20. Juli 1944 ordnete das Reichsicherheitshauptamt die Ablösung der Offiziere an, da die NS-Führung
mit der Wirksamkeit dieser Funktion auf die Wehrmacht unzufrieden war. An ihre Stelle trat dann der
Nationalsozialistische Führungsoffizier (NSFO), der nur im Einvernehmen mit der NSDAP berufen werden konnte.
Um die Übertragung der Aufgabe des Offiziers für wehrgeistige Führung auf einen von der NSDAP vorgeschlagenen
Nationalsozialisten zu verhindern, gab Franz Josef Strauß der dringenden Bitte seines damaligen
Kommandeurs nach, weigerte sich aber entschieden diese Funktion nach 1944 als NSFO weiterhin wahrzunehmen.
Als Themen seiner wöchentlichen Vorträge beschränkte sich Franz Josef Strauß meist auf geschichtliche
Themen, die nach eigenen Worten "... noch manche Freiheit ließen, wenn man sie geschickt interpretierte".