Rechtevermerk: ACSP

Signatur: ACSP, Ph P Strauß Franz Josef 1/3

Während eines Fernsehinterviews in Bonn 1957

Titelblatt des Kandidatenbriefs anlässlich der Bundestagswahl 1965

Medien

Die Berichterstattung über Franz Josef Strauß reicht bis zu seinen politischen Anfängen in Schongau zurück. Lokale und regionale Zeitungen berichteten über seine Aktivitäten als Landrat von Schongau. Spätestens seit 1953, als er in der Funktion eines Ministers für besondere Aufgaben dem Bundeskabinett angehörte, wurde das Interesse überregionaler und internationaler Zeitungen an seiner Person geweckt. Es entstand eine Beziehung, die Franz Josef Strauß zu einer öffentlichen Person machte und die sein gesamtes politisches Leben hindurch andauern sollte. Einerseits reichte die Bandbreite der Berichterstattung über ihn von wohlwollender über kritischer bis zu diffamierender, ja verletzender Darstellung. Andererseits verstand es Franz Josef Strauß die veröffentlichte Meinung zu nutzen, um so seine Sichtweise auf bestimmten Themen in größerem Rahmen darzustellen.

 

Dem Bedürfnis der Öffentlichkeit nach Informationen über den Menschen und Privatmann kamen im Laufe der Jahre sowohl "Home stories" in Illustrierten und Magazinen wie auch Gesellschaftskolumnen in Zeitungen nach, wobei letztere auch Aktivitäten seiner Ehefrau und seiner Kinder einschlossen. In Zeiten des Wahlkampfes wurden zusätzlich von den Wahlkampfbüros die für Abgeordnete üblichen Kandidatenbriefe verbreitet. In ihnen konnten die eigenen Inhalte und Vorstellungen der Politik erläutert und gleichzeitig eine positive Darstellung seiner Person vermittelt werden.

 

Mit seinen unverwechselbaren öffentlichen Auftritten bot Franz Josef Strauß freilich auch jene Angriffsflächen, die gleichermaßen von politischen Gegnern wie von der Presse aufgegriffen wurden. Besonders das strapazierte Image des skandalumwitterten Politikers ließ dabei ein Zerrbild entstehen, das bis heute nachwirkt. So wurden ihm zahlreiche Affären oder skandalträchtige Äußerungen zugeschrieben und diese medienwirksam verbreitet. Dies geschah in zum Teil verunglimpfender Art und Weise entweder über Publikationen, Flugblätter und Plakate oder mit Hilfe von Kommentaren in Rundfunk- oder Fernsehsendungen. An die Spitze solcher oft gnadenlos geführter Kampagnen stellten sich einige Nachrichtenmagazine. Vor allem das in Hamburg erscheinende Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und sein Herausgeber Rudolf Augstein, sahen in Franz Josef Strauß eine Person, dessen politische Ambitionen es unbedingt zu bekämpfen galt. Zu den Höhepunkten solcher Kampagnen des Magazins zählten die "Spiegel-Affäre" 1962 und die Veröffentlichung einer nicht autorisierten Fassung der "Sonthofener Rede" im Vorfeld der Bundestagswahl 1976. Ferner führte seine Kanzlerkandidatur 1980 zu einer breitangelegten Medienkampagne von Befürwortern und Gegnern. An ihr beteiligte sich neben Künstlern, Intellektuellen und verschiedenen Presseorganen auch das Hamburger Magazin.

 

Als Auslöser der "Spiegel-Affäre" galt der Artikel "Bedingt abwehrbereit", der zum Vorwurf des Geheimnisverrats, der Durchsuchung der Redaktionsräume des Magazins sowie zur Verhaftung von Conrad Ahlers und Rudolf Augstein führte. In diesem Zusammenhang wurden Franz Josef Strauß eine Einflussnahme auf die Ermittlungsbehörden und ein damit verbundener Angriff auf die Pressefreiheit vorgeworfen. Bei der "Sonthofener Rede " handelte es sich um Ausführungen von Franz Josef Strauß auf einer CSU-Klausurtagung in Sonthofen, die nach Auffassung des "Spiegel" Franz Josef Strauß einmal mehr als aggressiven und machtbesessenen Zyniker entlarvten.

 

Neben den Printmedien kamen Rundfunk und Fernsehen eine immer stärker werdende Bedeutung zu. Mit Auftritten in Rundfunk- und Fernsehanstalten des In- und Auslandes trug Franz Josef Strauß diesem Umstand Rechnung. Seinem Naturell entsprachen dabei eher die in der Anfangszeit des Mediums verwendeten traditionellen Formate: Im Rahmen von Einzelgesprächen, in Gesprächsrunden mit Journalisten oder vor Publikum konnten er dabei Gedanken entwickeln und bestimmte Inhalte vermitteln. Seit den siebziger Jahren stand jedoch zunehmend der Typ des telegenen Politikers im Mittelpunkt der Berichterstattung; einer sich mehr auf Äußerlichkeiten als Inhalte konzentrierenden Entwicklung, der Franz Josef Strauß eher distanziert gegenüber stand.

 

Für eigene publizistische Aktivitäten nutzte Franz Josef Strauß in erster Linie das Parteiorgan Bayernkurier, für das er seit den Anfängen des Blattes als Herausgeber verantwortlich zeichnete. Daneben verfasste er Bücher, in denen er sich etwa mit deutschland-, wirtschafts-, europa-, außen- und sicherheitspolitischen Themen auseinandersetzte, oder schrieb Beiträge für Zeitungen oder in anderen Publikationen, die in Übersetzung auch im Ausland Verwendung fanden. Ein Beispiel dafür ist das 1969 erschienene Buch "Herausforderung und Antwort", das sich mit europapolitischen Fragenstellungen beschäftigte und auch in englischer, französischer spanischer und italienischer Übersetzung veröffentlicht wurde. Obwohl Franz Josef Strauß durch seine rege publizistische Tätigkeit in gewisser Weise selbst zur "schreibenden Zunft" gehörte, hatte er doch große Vorbehalte gegenüber der Art und Weise, wie Medien ihre in einer demokratischen Gesellschaft unverzichtbare Rolle ausübten.

 

Eines seiner letzten Projekte als Publizist, die Veröffentlichung einer Autobiographie, unterbrach der plötzliche Tod 1988. Erhalten haben sich Tonbandmittschnitte von Gesprächen mit verschiedenen Einzelpersonen sowie handschriftliche Korrekturen an den ersten beiden Seiten des Manuskripts. Die Umsetzung der Mitschnitte in ein druckfertiges Manuskript übernahm dann der Chefredakteur des Bayernkurier Wilfried Scharnagl in enger Zusammenarbeit mit dem Siedler Verlag. Dieser brachte das Buch unter dem Titel "Franz Josef Strauß, Die Erinnerungen" 1989 heraus, nachdem bereits 1988 im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" ein Vorabdruck erschienen war.