Rechteinhaber: Lothar Kucharz

Signatur: ACSP, Ph P Strauß Franz Josef 5/8

Die Passauer Nibelungenhalle anlässlich des Politischen Aschermittwochs 1975

Veranstaltungsplakat zum Politischen Aschermittwoch 1978 in Passau

Politischer Aschermittwoch

Die Tradition des Politischen Aschermittwoch

in Vilshofen, der ursprünglich auf einen Viehmarkt im 19. Jahrhundert und dann auf Kundgebungen des Bauernbundes in der Weimarer Zeit zurückging, setzte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder ein.

1946 hielt der Bayerischen Bauernverband nach Vorgabe der Militärverwaltung zunächst ein „unpolitisches Treffen“ ab. Ab 1948 knüpfte die Bayernpartei, die die Gründung ihres Ortsverbandes Vilshofen auf den Aschermittwoch 1948 legte, wieder an die politischen Großkundgebungen der Vorkriegszeit an. Josef Baumgartner, der kurz zuvor aus der CSU ausgetreten und nun Mitglied der Bayernpartei war, nutzte seine Rede als Forum für seine Angriffe auf die CSU. Diese Dauerfehde prägte in den folgenden Jahren die Aschermittwochsveranstaltungen der Bayernpartei und der CSU in Vilshofen.

 

Am 18. Februar 1953 war die Gaststätte "Wolferstetter Keller" in Vilshofen erstmals Schauplatz einer Aschermittwochsveranstaltung der CSU, wobei der damalige CSU-Generalsekretär Franz Josef Strauß als einer der Redner auftrat. Seitdem garantierte das rhetorische Talent des Bundesministers, Parteivorsitzenden und Bayerischen Ministerpräsidenten als Hauptredner eine jährlich steigende Zuhörerschaft und das Duell zwischen ihm und Josef Baumgartner eine über die bayerischen Landesgrenzen hinausreichende Publizität der Veranstaltung. Auszüge der am politischen Aschermittwoch gehaltenen Reden wurden erstmals 1974 als Dokumentationen in der Parteizeitung Bayernkurier veröffentlicht, besonders pointierte Aussagen über den politischen Gegner als Zitate in den Medien kolportiert und von den Karikaturisten mit Vorliebe aufgegriffen.

Der große Publikumsandrang veranlasste die CSU schließlich zu einer Verlegung des Veranstaltungsorts. Seit dem 12. Februar 1975 trafen sich Anhänger und Medienvertreter alljährlich in der Passauer Nibelungenhalle. Hier war es auch, wo 1975 jene Äußerung vom "Saustall ohnegleichen" fiel, die im Vorfeld der Bundestagswahl 1976 für erheblichen Wirbel sorgte.

 

Seit Mitte der siebziger Jahre kam es zu einer Ausweitung des Politischen Aschermittwochs. Immer mehr Parteien und Verbände organisierten politische Kundgebungen, die nun an verschiedenen Orten stattfanden. Zudem traten zu den bisher üblichen ein oder zwei Hauptrednern vermehrt Ko-Referenten auf.

Von 1953 bis zu seinem Todesjahr 1988 trat Franz Josef Strauß insgesamt fünfunddreißig Mal als Redner beim Politischen Aschermittwoch auf. Seine durch Unterlagen belegten Auftritte in Vilshofen und Passau sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst. Lediglich 1963 war Franz Josef Strauß nicht in Vilshofen, sondern ließ sich wegen eines privaten Auslandsaufenthaltes durch Bundesminister Hermann Höcherl vertreten.

 

 

Politischer Aschermittwoch:

Auftreten Franz Josef Strauß ab 1953 

 

Datum

 

Manuskript

Veröffentlichung

Töne/Video

1953 Februar 18

 

Zeitungsausschnitt

 

1954 Februar 22

 

Zeitungsausschnitte

 

1955 Februar 23

 

Zeitungsausschnitte

 

1956 Februar 15

 

Zeitungsausschnitt

 

1957 März 6

 

 

 

1958 Februar 19

 

 

 

1959 Februar 11

 

 

 

1960 März 2

 

 

 

1961 Februar 15

Manuskript

Zeitungsausschnitt;

Bayernkurier

 

1962 März 7

 

Zeitungsausschnitt;

Bayernkurier

 

1963 Februar 27

 

Zeitungsausschnitt

 

1964 Februar 12

Manuskript

Zeitungsausschnitt;

Bayernkurier

 

1965 Februar 2tory.net/html/dokumente/2

 

Zeitungsausschnitt;

Bayernkurier

 

1966 Februar 23

 

Zeitungsausschnitte

 

1967 Februar 8

 

Zeitungsausschnitt

 

1968 Februar 28

 

Zeitungsausschnitt

 

1969 Februar 19

 

Zeitungsausschnitte

 

1970 Februar 11

Manuskript

Zeitungsausschnitt

Tonmitschnitt

1971 Februar 24

Manuskript

 

Tonmitschnitt

1972 Februar 16

Manuskript

Zeitungsausschnitte

 

1973 März 7

Manuskript

Zeitungsausschnitte

Tonmitschnitt

1974 Februar 27

 

Dokumentation Bayernkurier

Tonmitschnitt

1975 Februar 12

Manuskript

Zeitungsausschnitt

Tonmitschnitt

1976 März 3

Manuskript

Zeitungsausschnitt

Tonmitschnitt

1977 Februar 23

Manuskript

Zeitungausschnitt

Tonmitschnitt

1978 Februar 8

Manuskript *

Zeitungsausschnitt

Dokumentation Bayernkurier

Tonmitschnitt

1979 Februar 28

Manuskript

Zeitungsausschnitt;

Dokumentation Bayernkurier

Tonmitschnitt

1980 Februar 20

Manuskript

Zeitungsausschnitt;

Tonmitschnitt

1981 März 4

Manuskript

Zeitungsausschnitt;

 

Videoausschnitt

1982 Februar 25

 

Zeitungsausschnitt;

Dokumentation Bayernkurier

Tonmitschnitt

1983 Februar 16

 

Zeitungsausschnitt;

Bayernkurier Dokumentation

 

1984 März 7

Manuskript

Zeitungsausschnitt;

Bayernkurier Dokumentation

 

1985 Februar 20

Manuskript

(Stichpunkte)

Zeitungsausschnitte

Bayernkurier Dokumentation

Videomitschnitt;

Tonmitschnitt

1986 Februar 12

 

Bayernkurier Dokumentation

Videomitschnitt

Tonmitschnitt

1987 März 4

 

Zeitungsausschnitt;

Bayernkurier Dokumentation

Tonmitschnitt

1988 Februar 17

 

Zeitungsausschnitt;

Bayernkurier Dokumentation

Tonmitschnitt

 

* Anhand des Politischen Aschermittwoch 1978 werden Entstehung und redaktionelle Bearbeitung einer Rede von Franz Josef deutlich: am Beginn stand der Notizzettel mit einem groben Abriss der Rede, ihm folgte ein Mittschnitt der tatsächlichen Rede auf Tonband und dessen Abschrift, und zuletzt die redaktionell bearbeitete Zusammenfassung im Parteiorgan "Bayernkurier"