Bayernkurier
Dem großen Interesse des ersten CSU-Vorsitzenden Josef Müller
an einem eigenen Parteiorgan stand die restriktive Pressepolitik
der amerikanischen Militärregierung entgegen, die mit ihrer rigiden
Kontroll- und Lizenzierungspolitik nur unabhängige, parteipolitisch neutrale Zeitungen förderte.
Franz Josef Strauß und der Chefredakteur des Bayernkurier Wilfried Scharnagl in den achtziger Jahren;
Wilfried Scharnagl, Edmund Stoiber und Franz Josef Strauß 1987
Die Parteien durften lediglich dünne Mitteilungsblätter oder
Wochenschriften publizieren, für die strenge Auflagen galten.
Der erste Versuch einer Wochenzeitung, die Josef Müller erstmals im
Dezember 1948 unter dem Titel "
Der gerade Weg" herausgab,
scheiterte
bereits nach einem halben Jahr an finanziellen,
organisatorischen und
personellen Mängeln sowie an der inhaltlichen Konzeption. Der von ihm
gewählte Titel knüpfte an eine gleichnamige Zeitung des Journalisten
Fritz Gerlich an, der als scharfer Kritiker des Nationalsozialismus
1934 im Konzentrationslager Dachau ermordet worden war.
Für die CSU bedeutete die Aufhebung der Lizenzpflicht am 4. Mai 1949
zunächst keine Änderung der Verhältnisse. Die Herausgabe einer Parteizeitung
wurde nämlich sowohl durch die mit der Währungsreform verbundenen Umstände wie
auch durch die in der Gründungsphase der Partei ausgebrochenen Flügelkämpfe unmöglich
gemacht. Nachdem die Wahl Hans Ehards zum Landesvorsitzenden am 28. Mai des gleichen
Jahres die parteiinternen Auseinandersetzungen entschärft hatte, konnte auch die Herausgabe
eines bayernweiten Parteiorgans in Angriff genommen werden.
Als am 3. Juni 1950 die neue Parteizeitung erschien, nahm ihr Titel "Bayernkurier"
bewusst Bezug auf den "Bayerischen Kurier", der in der Weimarer Republik der Bayerischen
Volkspartei als zentrales Parteiorgan gedient hatte.
Nachdem zwischen 1957 und 1961 Hanns Seidel als weiterer
Herausgeber hinzugekommen war, übernahm Franz Josef Strauß
1964 die alleinige editorische Verantwortung.