Rechteinhaber: von der Leyen

Signatur: ACSP, Ph S Viererkoalition 5

Diskussion u.a. von Hanns Seidel und Joseph Baumgartner anlässlich der Bildung der Viererkoalition in Bayern 1954

CSU und Bayernpartei 1948 – 1959

Die Aufbauphase der CSU war geprägt durch unterschiedliche Vorstellungen über die Ausrichtung der Partei, durch die im Zusammenhang mit der Währungsreform entstandenen organisatorischen Probleme sowie durch die erst 1948 zugelassene Bayernpartei (BP). Ihre Anfänge lagen im November 1945, als sich im Stadt und Landkreis München eine "Demokratische Union" formierte, die sich ihrerseits auf Vorläufer wie die Bayerische Arbeiter- und Mittelstandspartei und die Mittelstands- und Bauernpartei berief. Nachdem sich die Partei am 23. April 1946 in Bayerische Demokratische Union umbenannt hatte, erfolgte am 28. Oktober 1946 eine weitere Umbenennung in Bayernpartei. Als Vorsitzender fungierte der Kriminalbeamte und spätere bayerische Landtagsabgeordnete Max Lallinger.

Für die CSU entwickelte sich die Bayernpartei immer mehr zu einer bedrohlichen Konkurrenz, zumal sie die gleichen Wählerschichten ansprach. Durch Parteiwechsel wie etwa den Josef Baumgartners 1948 profitierte sie von der inneren Krise der CSU und stieg zeitweise zur dritten politischen Kraft in Bayern auf. Dies zeigte sich sowohl bei den Bundestags- und Landtagswahlen der Jahre 1949 und 1950 wie auch in der Regierungsbeteiligung während der Vierkoalition in Bayern 1954-1957 unter Ministerpräsident Wilhelm Hoegner.

Die Auseinadersetzungen zwischen den beiden Parteien wurden erbittert geführt, wobei man in der Wahl der Mittel auf beiden Seiten nicht zimperlich war. Sie reichten von Absprachen im Wahlkampf im Rahmen von Listenverbindungen bis zu gegenseitigen persönlichen Verunglimpfungen von Kandidaten und Funktionsträgern.

 

Ihren Höhepunkt erreichten die Auseinandersetzungen in der "Spielbanken-Affäre" 1955 bis 1959, die sich auf Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Errichtung von Spielbanken in Bayern bezogen und in deren Verlauf das politische Ansehen der wichtigsten Führungspersönlichkeiten der Partei, Josef Baumgartner und August Geiselhöringer, nachhaltig beschädigt wurde. Erste Anzeichen eines politischen Niedergangs der Bayernpartei auf Bundesebene hatten sich jedoch bereits seit dem für die Bayernpartei enttäuschenden Ausgang der Bundestagswahl 1953 gezeigt, als in den folgenden Jahren zahlreiche Mitglieder und Funktionsträger verließen und zur CSU übertraten. Zu ihnen gehörte auch Anton Besold, der 1953 als Landesvorsitzender amtierte, im Januar 1954 austrat und sich im Juni 1955 der CSU anschloss.

Spätestens seit den Bundestagswahlen von 1957 spielte die Bayernpartei, deren Stammland auf Altbayern beschränkt blieb und die durch Abspaltungen, interne Gruppenbildungen und Fusionen der Öffentlichkeit ein uneinheitliches Bild vermittelte, in der politischen Parteienlandschaft in Bayern nur mehr eine untergeordnete Rolle.