Foto: Eduard Dietl

Rechteinhaber: ACSP

Signatur: ACSP, NL Strauß Slg. Kray Foto 1/5

Während der Rede anlässlich der Wahl zum Parteivorsitzenden

Rechteinhaber: Presse-Service Jutta Spitzley, Bonn

Signatur: ACSP, Ph P Strauß, Franz Josef 7/4

Die Parteivorsitzenden von CDU und CSU Helmut Kohl und Franz Josef Strauß 1974

Wahl zum Vorsitzenden

Nach seinem ersten, vergeblichen Anlauf 1955 bewarb sich Franz Josef Strauß 1961 erneut um den Vorsitz der CSU. Sechs Jahre nach seiner Niederlage war die Ausgangssituation für eine Kandidatur wesentlich günstiger als im Jahr 1955. Der Ausbruch neuer Flügelkämpfe, der die Aufbauphase der Partei geprägt hatte, war durch das umsichtige Handeln des amtierenden Parteivorsitzenden Hanns Seidel verhindert worden. Der planmäßige Neuaufbau der maroden Parteiorganisation war weit gediehen, der Umbau von der Honoratiorenpartei zur modernen Volkspartei in vollem Gange und mit 10,5 % (57,2 % in Bayern) bei den Bundestagswahlen 1957 das bis dahin beste Ergebnis im Bund erreicht worden. Auf Grund seiner schweren Erkrankung und seines schlechten Gesundheitszustandes entschloss sich Hanns Seidel, die Nachfolgefrage im Parteivorsitz noch vor der Bundestagswahl 1961 zu regeln. Neben Franz Josef Strauß, den Hanns Seidel nun selbst als Nachfolger vorschlug und der als Mitglied des Bundeskabinetts seit 1953 auf eine Reihe von Erfolgen verweisen konnte, wurden in der Öffentlichkeit noch weitere Namen genannt. So spekulierte man neben möglichen Kandidaturen von Rudolf Eberhard und Franz Heubl auch über eine Kandidatur von Fritz Schäffer.

 

Am 18. März 1961 wählten die Delegierten auf einem außerordentlichen Parteitag in München Franz Josef Strauß mit 94,8 % zum Nachfolger von Hanns Seidel. In den folgenden 27 Jahren seiner Amtszeit als Parteivorsitzender bis zu seinem Tod 1988 wurde Franz Josef Strauß stets mit Ergebnissen von über 90 % der Stimmen in seinem Amt bestätigt. So unterstützten im Jahr 1979 die Delegierten den gemeinsamen Kanzlerkandidaten der Union mit 99 % Stimmen. Lediglich in den Jahren 1963 erhielt Strauß anlässlich der Spiegel-Affäre nur 86,8 % der Stimmen und 1983 brachten die Delegierten vor dem Hintergrund des Milliardenkredits an die DDR und nach zahlreichen Parteiaustritten mit 77 % ihre Unzufriedenheit und ihren Protest dem Vorsitzenden gegenüber zum Ausdruck.

Als Vorsitzender baute Franz Josef Strauß die CSU zu einer mitgliederstarken Landespartei mit eigenständiger politischer Zielsetzung auf und bündelte ganz im Sinne seiner Vorgänger bayerische Regionalinteressen und bundesweiten Mitgestaltungswillen in seiner Person.

 

In seinen posthum erschienen Memoiren beschrieb er dies mit folgenden Worten:

"Die einmalige Stellung der CSU, begründet in der bayerischen Geschichte und der bayerischen Tradition, ruht, politisch gesehen, auf drei Säulen. Für deren Stabilität und Tragfähigkeit kämpfe und arbeite ich zeit meines Parteilebens. Erste Säule - Zusammenführung aller politischen Kräfte, die zusammengehören. Deshalb hielt ich die Bayernpartei von Anfang an für überflüssig, sowie ich konservative Splittergruppen heute für überflüssig halte. Hierher gehört meine oft wiederholte Aussage und beschwörende Mahnung, dass es rechts von uns keine demokratisch legitimierte Partei geben darf. Zweite Säule - Entklerikalisierung und Liberalisierung der Partei. Dritte Säule - Identifizierung der CSU mit Bayern."


(Strauß, Franz Josef. Erinnerungen S.530)