Rechteinhaber: ACSP

Signatur: ACSP, NL Strauß Slg. Kray Foto 18/a

Franz Josef Strauß anlässlich des Besuchs der Ausstellung "Unsere Luftwaffe" auf dem Königsplatz in München 1959

Rechteinhaber: ACSP

Signatur: ACSP, NL Strauß Slg. Kray Foto 20/7

Grundsteinlegung für die Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Wahn 1959

Rechteinhaber: ACSP

Signatur: ACSP, NL Strauß Slg. Kray Foto 18/5

Im Cockpit einer F104-G (Starfighter) in den sechziger Jahren

Rechteinhaber: Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt

Signatur: ACSP, NL Strauß Slg. Kray Foto 20/7

Anlässlich der Weltraummission D1 mit dem Astronauten Ulf Merbold 1985 im Deutschen Raumfahrtszentrum Oberpfaffenhofen

Rechteinhaber: Norbert A. Schmidt

Signatur ACSP, NL Strauß Slg. Kray Foto 20/3

Übergabe des A310 an die Fluggesellschaft PAN AM 1985

Rechteinhaber: MT Aerospace

Signatur: ACSP, Ph S ACSP 20081016

Blick in die Booster-Fertigungshalle anlässlich der Veranstaltung in Augsburg am 16. Oktober 2008

Luft- und Raumfahrt

Mit seiner Begeisterung für den Bereich Luft- und Raumfahrt verbanden sich bei Franz Josef Strauß private Vorlieben und politisches Engagement. Bereits 1968 hatte er eine Lizenz für Propellerflugzeuge erworben. Nach weiteren Berechtigungen erfolgte dann 1985 noch die Pilotenprüfung für Düsenflugzeuge. Diese Befähigungen nutzte der "Geschäftsreisepilot", wie sich Franz Josef Strauß selbst gern bezeichnete, auch für viele Reisen, etwa seinen spektakulären Flug nach Moskau zu einem Treffen mit dem damaligen Generalsekretär der KPdSU Michail Gorbatschow im Dezember 1987. Die fliegerischen Fähigkeiten von Franz Josef Strauß waren oftmals Anlass ironischer Bemerkungen wie beispielsweise der Behauptung, er müsse am Steuerknüppel seines Flugzeugs zur Ortsbestimmung immer im Tiefflug über die Dörfer fliegen, um die Schilder zu lesen. Ihnen trat Franz Josef Strauß mit der Bemerkung entgegen "Mir ist das nie passiert. Beim Instrumentenflug ist das auch gar nicht möglich".

 

Als sich Franz Josef Strauß im Sommer 1988 nachdrücklich dafür einsetzte, Privat- und Geschäftsflieger von der Mineralölsteuer zu befreien, führte dies zu öffentlichen Diskussionen über die von Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg geplante Steuerreform und dem Vorwurf der Verfolgung privater Interessen. Mit dem Kompromiss einer Steuerpflicht für Privatflieger und einer Steuerbefreiung für Geschäftsflieger, konnte der Konflikt schließlich auf politischer Ebene beigelegt werden.

Auf der politischen Ebene engagierte sich Franz Josef Strauß als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Airbus bzw. der Airbus Industrie seit 1970 für eines der wichtigsten Programme der europäischen Zivilluftfahrt. Sein Einsatz für das Airbus-Programm bildete jedoch nur die Fortsetzung eines Interesses, das sich bereits als Bundesminister in den späten fünfziger Jahren abzeichnete und ein Grundthema der politischen Konzeption von Franz Josef Strauß auf den Bereich Luftfahrt übertrug. Der Aufbau einer modernen Luft- und Raumfahrtindustrie sollte in einen wissenschaftlich-technischen Gesamtzusammenhang gestellt werden und dadurch Deutschland auf diesem Gebiet den Anschluss an die Weltspitze wieder erreichen. Um dieses Ziel zu verwirklichen war es nach Meinung von Franz Josef Strauß in den Anfangsjahren notwendig, die Luftfahrtindustrie über öffentliche Aufträge zu fördern, wobei für ihn die einzig wirksame Möglichkeit einer solchen gezielten Förderung im Bereich der militärischen Luftfahrt bestand. Unter seiner Führung wurde 1957 für den militärischen Bereich im Bundesverteidigungsministerium ein wissenschaftlich-technischer Beirat initiiert, der sich aus Führungspersönlichkeiten der Deutsche Luftfahrtindustrie und Führungskräften des Verteidigungsministeriums zusammensetzte. Seine Entsprechung für den zivilen Bereich fand er in dem vom Bundesminister für Verkehr 1955 ins Leben gerufenen Deutschen Luftfahrtausschuss. Die Produktionsstätten für den Flugzeugbau entstanden dabei sowohl in Nord- wie auch in Süddeutschland, wobei sich im Süden vor allem Bayern als wichtiger Standort etablieren konnte.

 

Nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister 1962 blieb Franz Josef Strauß an Fragen der Luft- und Raumfahrt interessiert, wobei sich freilich zivile Aspekte mehr in den Vordergrund schoben. Mit dem Aufsichtsratsvorsitz bei Airbus Industrie sowie weiteren Aufsichtsratssitzen in diesem Bereich, etwa bei der Deutschen Lufthansa, gelang es Franz Josef Strauß, Bayern als attraktiven Standort für diese Industriezweige zu sichern und auszubauen, so dass 1983 etwa 50% der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie ihren Standort in Bayern hatten. Eine weitere Steigerung der Attraktivität der Region stellte der nach langjährigen Protesten anliegender Gemeinden und Bürgerinitiativen begonnenen Bau des Großflughafens München II im Jahr 1986 dar, der München zu einem wichtigen Drehkreuz im internationalen Flugverkehr ausbaute. Franz Josef Strauß erlebte die Eröffnung des Flugbetriebs 1992 nicht mehr, jedoch würdigte die Flughafen München GmbH 1990 seine Verdienste bei der Durchführung des Projekts durch die offizielle Bezeichnung Flughafen München - Franz Josef Strauß.

 

Gleichzeitig unterstützte Franz Josef Strauß auch Überlegungen einer nationalen Raumfahrtindustrie. In einer am 30. November 1965 vor dem Deutschen Bundestag gehaltenen Rede unterstrich er die Bedeutung der Weltraumtechnik als Teil einer nationalen Wissenschafts-, Forschungs- und Entwicklungspolitik. Zwei Jahre später, 1967, konnten dann in Anwesenheit des damaligen Finanzministers Franz Josef Strauß die Grundsteinlegungen einer Satellitenempfangsstation und eines Raumfahrtkontrollzentrums der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt bei Weilheim und bei Oberpfaffenhofen festlich begangen werden. Das Raumfahrtzentrum war dann 1985 auch Schauplatz der mit der amerikanischen Weltraumfähre "Challenger" durchgeführten ersten bemannten deutschen Weltraummission D1. Den damit verbundenen Informationsbesuch in Oberpfaffenhofen nutzte Franz Josef Strauß dazu, um als Bayerischer Ministerpräsident ein großes Investitionsprogramm zur Förderung des Standorts Oberpfaffenhofen im Rahmen der europäischen Raumfahrt vorzustellen.

 

Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte widmete Franz Josef Strauß ebenfalls dieser Thematik. In einer programmatischen Rede, gehalten am 30. September 1988 in Augsburg, fasste er die bisherige Entwicklung der deutschen und europäischen Raumfahrtindustrie zusammen und formulierte zugleich die Ziele einer künftigen europäischen Weltraumpolitik. Anlässlich des 20. Todestages würdigte dann am 16. Oktober 2008 an gleicher Stelle eine Veranstaltung seine Verdienste um die Deutsche Luft- und Raumfahrt Politik.