[2] Außenpolitik
Der außenpolitische Realismus und das strategische Denken
von Franz Josef Strauß, der zeitlebens ein scharfer Kritiker der
kommunistischen Welt, ein überzeugter Europäer und unerschütterlicher
Transatlantiker war, lässt sich an verschiedener Beispiele darlegen.
Persönlicher Dank des libanesischen Präsidenten Amin Gemayel für Vermittlungsversuche im Libanon-Konflikt 1985
Besonders deutlich wird dieser realistisch-strategische Ansatz
im Zusammenhang mit der
Chinapolitik seit 1975. Henry Kissinger
forderte eine analytische Berücksichtigung der realen Kräfte der
internationalen Politik anstelle des Wünschbaren als Voraussetzung rationalen
Entscheidungshandelns. Auch Franz Josef Strauß plädierte für eine pragmatische
Außenpolitik auf realistischer und damit machtmäßiger und nicht nur vertragsmäßiger Basis.
Seine schon in frühen Jahren gepflegten persönlichen Kontakte zu ausländischen Politikern
und Staatsmännern erwiesen sich dabei als hilfreiches Forum für einen intensiven
Gedankenaustausch mit ausländischen Politikern und erleichterten
Vermittlungsversuche im Nahen Osten oder im südlichen Afrika.
Trotz unterschiedlicher ideologischer Standpunkte kamen so Begegnungen mit Führern des
Ostblocks zustande, wobei die Unterredung mit dem Generalsekretär der KPdSU
Michail Gorbatschow im Dezember 1987 in Moskau sicherlich eine der spektakulärsten
Begegnungen in der politischen Laufbahn von Franz Josef Strauß darstellte.