Deutschlandpolitik
Die Beschäftigung mit Fragen der Deutschlandpolitik und
der damit verbundenen
Deutschen Einheit setzte bei Franz Josef Strauß
schon zu Beginn seiner politischen Tätigkeit ein und bildete bis zu seinem Tod als Bayerischer
Ministerpräsident einen bestimmenden Faktor seiner Politik.
Besuch von Franz Josef Strauß an der Berliner Sektorengrenze 1964;
Schutzumschlag der englischen Erstausgabe des Buches von Franz Josef Strauß "The grand design" 1965
Unter Federführung des damaligen CSU-Generalsekretärs
Franz Josef Strauß erschien im Jahr 1949 eine 16seitige
Broschüre mit dem Titel "Unser Nein zu Bonn - Unser Ja zu Deutschland".
Darin wurde die auf die unzureichende
Berücksichtigung des föderativen
Staatsaufbaus beruhende Ablehnung des Grundgesetzes erläutert
und gleichzeitig das
Bekenntnis zu einem neuen deutschen Bundesstaat bekräftigt. Mit der parlamentarischen
Diskussion um den Deutschland- und EVG-Vertrag am 7. Februar und 10. Juli 1952 äußerte
sich Franz Josef Strauß erneut zu deutschlandpolitischen Fragen und festigte damit
zugleich seinen Ruf als brillanter Debattenredner im Deutschen Bundestag. In seinem
Redebeitrag vom 10. Juli 1952 deuteten sich bereits jene Überlegungen an, die dann in
den Jahren 1965/66 bzw. 1968/69 in zwei Publikationen "The grand design: a european
solution to german reunification" und "Herausforderung und Antwort: ein Programm für Europa"
Gestalt annahmen. Dabei sah er die langfristige Lösung der Deutschen Frage und letztlich
die Wiedervereinigung Deutschlands nur im Rahmen einer Europäisierung und im Zusammenhang
mit geo- und sicherheitspolitischen Überlegungen.
Die "neue Ostpolitik" der seit 1969 regierenden sozialliberalen Koalition
(Schlagwort des "Wandels durch Annährung") gefährdete für Franz Josef Strauß die
westdeutschen Verhandlungspositionen durch einseitige Vorleistungen. Deshalb forderte er eindringlich ein
Festhalten an dem Anspruch auf Recht und Freiheit für alle Angehörigen der Deutschen Nation verbunden
mit dem Selbstbestimmungsrecht.