Energiepolitik
Der Erforschung und friedlichen Nutzung der Kernenergie wurde in der Nachkriegszeit
national wie auch international ein hoher Stellenwert als zukunftsorientiertem
Wissenschaftsbereich eingeräumt, sah man in ihr doch eine Alternative zu den bisher
verwendeten Energieträgern
Kohle, Öl und Wasserkraft.
Besuch der Zeche Hugo in Gelsenkirchen anlässlich der Bundestagswahl 1980;
CSU-Plakat zur Bundestagswahl 1980
Die Euphorie jener Jahre gipfelte darin, innerhalb der Menschheitsgeschichte die
Nutzung der Atomenergie mit der Erfindung des Feuers auf die gleiche Stufe zu stellen.
Diese Begeisterung für die Kernkraft teilte Franz Josef Strauß mit führenden Politikern der
Opposition, die ihrerseits die neue Technologie auch als Mittel zur Überwindung sozialer und
gesellschaftlicher Konflikte betrachteten.
Als zuständiger Ressortminister war Franz Josef Strauß seit 1955 für den Ausbau und
die friedliche Nutzung der Kernenergie zuständig.
Die in seinem Ministerium erarbeiteten
Vorschläge zielten zwar in erster Linie auf die Bereiche Forschung und Wissenschaft,
schlossen aber auch energiewirtschaftliche Überlegungen mit ein.
Franz Josef Strauß blieb auch später in seinen Funktionen als Bundesminister,
Abgeordneter, Bayerischer Ministerpräsident und Parteivorsitzender dem Bereich
Kernenergie verbunden. Immer wieder betonte er neben der rein energiewirtschaftlichen
Komponente auch die umweltpolitische Bedeutung der Kernenergie bei der Reduzierung des
sogenannten "Treibhauseffekts". Mit dieser Haltung forderte Franz Josef Strauß jene
Aktivisten der sich seit den siebziger Jahren bildenden Umweltbewegungen heraus,
die vor den Gefahren einer in ihren Augen unbeherrschbaren Technologie warnten.
Für die Auseinadersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern der friedlichen Nutzung
der Kernenergie stehen sich hier beispielhaft die zum Teil gewaltsamen Proteste gegen
die Wiederaufbereitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf und die Inbetriebnahme
des bayerischen Kernkraftwerks Isar 2 gegenüber. In seiner im Zuge der Reaktorkatastrophe
von Tschernobyl vor dem Bayerischen Landtag abgegebene
Regierungserklärung zur
Energiepolitik vom 17. Juli 1986 bekannte sich Franz Josef Strauß eindeutig zur
Kernenergie und wies Forderungen nach einem Ausstieg aus dieser Technologie zurück.
Trotzdem wurden unter seiner Amtszeit auch Anstrengungen unternommen, regenerative Energiequellen
zu erforschen, zu entwickeln und auszubauen.