Europapolitik
Im außenpolitischen "Grand Design" von Franz Josef Strauß
nahm die
Europapolitik einen zentralen Stellenwert ein.
Erfolge oder Misserfolge auf europäischer Ebene waren seiner
Auffassung nach eng mit der Lösung der deutschen Frage verbunden.
Besuch von Präsident Charles de Gaulle 1962 bei der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg; im Gespräch mit dem Kommissionspräsidenten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) Walter Hallstein 1965
Für ihn beruhte dabei die Spaltung der deutschen Nation und die
Teilung Europas auf jener durch die beiden Supermächte USA und Sowjetunion
geschaffenen Nachkriegsordnung, weshalb der
Schlüssel für eine
Wiedervereinigung in einem politisch geeinten Westeuropa und den auf dieser
Grundlage neu zu gestaltenden atlantischen Beziehungen lag.
Auf diesem Hintergrund wurde die mit den Römischen Verträgen von 1957 geschaffene
Wirtschaftsunion zwar als günstigste Voraussetzung, nicht jedoch als Garantie für
die Entstehung einer politischen Union gewertet. Franz Josef Strauß hielt es nicht
nur für verfehlt, die politische Gemeinschaft des "Europa der Sechs" auf wirtschaftlicher
Grundlage erzwingen zu wollen, sondern er erteilte auch Überlegungen, die die kausale
Verknüpfung der Brüsseler Kommission mit der Genese einer ersten europäischen Regierung
reflektierten, eine strikte Absage. Supranationale Institutionen, die zu wirtschaftspolitischen
Zwecken geschaffen wurden, so lautete seine Argumentation, seien nicht geeignet, die politischen
Bereiche des europäischen Zusammenschlusses gestaltend zu beeinflussen. Dies ließe sich lediglich
mittels der Übereinstimmung zwischen den Regierungen der europäischen Staaten bewerkstelligen
Die Basis einer derartigen Übereinstimmung sah Franz Josef Strauß in der Kooperation zwischen
Deutschland und Frankreich bzw. im Schulterschluss deutscher Regierungen mit dem französischen
Präsidenten Charles de Gaulle.