Finanzpolitik
In der strategisch-politischen Konzeption von Franz Josef Strauß spielte neben sicherheitspolitischen
Aspekten u.a. im Bezug auf die starke Einbindung der Bundesrepublik in die westliche Allianz als zweite Säule die Frage einer starken
Wirtschaft als Zeichen machtpolitischer Positionen eine bedeutende Rolle.
Franz Josef Strauß, Regensburgs OB Hans Herrmann und der Bundestagsabgeordnete
Hermann Höcherl während einer Veranstaltung der Vereinigung der Arbeitgeberverbände in Bayern,
Bezirksgruppe Regensburg, 1956;
Bundesfinanzminister Strauß auf der Währungskonferenz in Brüssel 1966
Geprägt waren diese Überlegungen einmal durch die Begegnungen mit dem Nationalökonomen
Adolf Weber, dessen Vorlesungen Franz Josef Strauß als Student in München belegt hatte,
sowie mit
Ludwig Erhard und Alfred Müller-Armack, deren
Konzeption einer Sozialen Marktwirtschaft
als Gegenmodell zu einer staatlichen Zwangsbewirtschaftung und zentralistischen Lenkung er als
Abgeordneter des Wirtschaftsrats der Bizone kennen gelernt hatte und für deren Durchsetzung er
sich vehement einsetzte. Einen gewissen Einfluss übte auch die in den sechziger Jahren bestehende
Bekanntschaft mit dem Volkswirtschaftler Clemens-August Andreae aus, der ihn bewog, sich nach seinem Rücktritt
als Bundesverteidigungsminister an den Universitäten München und Innsbruck für die Fächer
Betriebs- und Staatswissenschaften zu immatrikulieren.
Seine auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Finanzpolitik erworbenen theoretischen
Kenntnisse konnte er mit der
Berufung als Bundesfinanzminister in der Großen Koalition 1966 bis 1969 auch praktisch anwenden. Die hier erstmals
vorgenommene systematische Umsetzung der von der wissenschaftlichen Theorie entwickelten
Methoden einer antizyklischen Finanzpolitik, d.h. der Dämpfung bzw. Ausschaltung konjunkturelle
Schwankungen einer Volkswirtschaft, fand ihren Niederschlag im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz (StWG)
des Jahres 1967, und leitete damit einen neuen Stil in der Finanzpolitik der Bundesrepublik Deutschland ein.