Landespolitik
Zeit seines Lebens spielte die bayerische Herkunft von Franz Josef Strauß
eine bedeutende Rolle, sowohl in der mitunter nicht immer wohlwollenden
Beurteilung seiner Person in der öffentlichen Berichterstattung,
wie auch im eigenen Selbstverständnis.
Gang von Vertretern der Bundes- und Landespolitik durch die Münchner Innenstadt 1958;
Franz Josef Strauß und der SPD-Landesvorsitzende Volkmar Gabert bei einem Empfang für Wilhelm Hoegner 1967
Anfang und Ende der politischen Tätigkeit waren eng mit dem Freistaat verbunden.
Obwohl sich seit der Mitgliedschaft im Wirtschaftsrat der Bizone 1948 und der Wahl zum Bundestagsabgeordneten 1949
der Arbeitsschwerpunkt zusehends von der Landes- auf die Bundespolitik verlagerte, blieb Franz Josef Strauß
nicht zuletzt durch parteipolitische Aktivitäten, als Mitglied der Vorstandschaft (1946),
als Landesgeschäftsführer bzw. Generalsekretär (1948 bis 1952) und schließlich als
Parteivorsitzender (1961 bis 1988) der CSU in der bayerischen Landespolitik präsent.
Die von den bayerischen Ministerpräsidenten seit den fünfziger Jahren verfolgten
Pläne, den Agrarstaat Bayern in einen zukunftsorientierten Industriestaat zu verwandeln,
fanden in Franz Josef Strauß einen wichtigen Fürsprecher auf Bundesebene.
Dies zeigte sich etwa beim Bau des ersten deutschen Forschungsreaktors, der auch
Dank seiner Unterstützung im Jahr 1958 in Garching bei München in Betrieb genommen werden konnte.
Als Vorsitzender der CSU bezog Franz Josef Strauß dann Ende der sechziger Jahre in Fragen der bayerischen
Bildungspolitik Positionen, die von denen der CSU-Landtagsfraktion abwichen.
Der von ihm mit den Landesvorsitzenden von SPD und FDP, Volkmar Gabert und Dietrich Bahner,
ausgehandelte Kompromiss einer christlichen
Gemeinschaftsschule wurde in einem
Volksentscheid am 7. Juli 1968 mit großer Mehrheit gebilligt.