[2] Sicherheitspolitik
Obwohl Franz Josef Strauß die Bedeutung der USA für die Verteidigung
Westeuropas im Rahmen der nordatlantischen Allianz für unabdingbar hielt,
widersetzte er sich der Vorstellung westeuropäischer und besonders deutscher Politiker,
das deutsche Verteidigungkonzept allein auf die militärische Stärke Amerikas zu begründen.
Mit Gerhard Schröder während des CDU-Bundesparteitages 1967 in Braunschweig; mit Klaus Kinkel, Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), und Bundeskanzler Helmut Schmidt 1981 während der Feierstunde zum 25jährigen Bestehen des BND
In der von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer angestrebten deutsch-französischen
Union sah er vielmehr die Möglichkeit, die strategischen Planungen der
NATO durch eine eigene, europäische Rüstungs- und Verteidigungspolitik zu
ergänzen und gleichzeitig das atlantische und europäische Verteidigungskonzept
miteinander zu verbinden. Aus dieser Beurteilung wird deutlich, dass der in der
Etikettierung "Gaullist" implizierte Gegensatz von Franz Josef Strauß zu den
Vereinigten Staaten nicht existierte.
Ebenso gibt es keinerlei Beweise für nationalnukleare Ambitionen von Franz Josef Strauß.
Im Gegenteil: Franz Josef Strauß ging davon aus, dass weder eine unter amerikanischer Kontrolle
stehende atlantische multilaterale Atomstreitmacht (MLF) noch die modifizierte Form einer
atlantischen Atomstreitmacht (ANF) oder eine rein nationale Politik zur Verteidigung
Europas geeignet seien. Stattdessen forderte er ein militärisch eigenständiges
Europa mit einem taktischen und strategischen Atomwaffen-Arsenal, wobei er eine
Verfügungsgewalt der Bundesrepublik über Atomwaffen innerhalb eines solchen Systems ausdrücklich verneinte.