Print logo

Zu Besuch beim Klassenfeind
Vor 30 Jahren: Honecker in München

Autor: Tobias Flümann

Vor 30 Jahren, am 11. September 1987 besuchte der Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzende des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik, Erich Honecker im Rahmen seines Deutschlandbesuches auch München, wo er von Ministerpräsident Strauß empfangen wurde.

Franz Josef Strauß: Der Schießbefehl muß weg!

Bayernkurier; ACSP; ACSP, Z-BK 1987-38

In seiner Rede im Antiquarium der Münchner Residenz ging Strauß auf die 1983 begonnene, sachbezogene Zusammenarbeit zwischen Bayern und der DDR ein. Nach der Vermittlung des Milliardenkredites 1983 hatte Strauß erstmalig persönliche Gespräche mit Honecker geführt. Strauß betonte die Unvereinbarkeit diverser Postionen zwischen den beiden deutschen Staaten, hob jedoch die durch die Zusammenarbeit erzielten Verbesserungen in den Bereichen der Reisemöglichkeiten, Grenzabfertigung und Familienzusammenführung hervor.
Er drückte die Hoffnung aus, dass die Zusammenarbeit im Bereich Umweltschutz und Strahlenschutz bald Erleichterungen für die Menschen auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze bringen würde.

Trotz allen Lobes für den Gast bekräftigte Strauß noch einmal grundsätzliche Positionen:
"Wir bekennen uns zur Präambel des Grundgesetzes, wonach das ganze deutsche Volk aufgefordert bleibt, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden. [...] Ein Krieg darf in Europa nicht mehr denkbar, nicht mehr kalkulierbar, nicht mehr führbar erscheinen. [...] Die Absage an den Krieg als Mittel der Politik ist für uns eine Selbstverständlichkeit, die wir nicht ununterbrochen aufs neue beschwören müssen und die von niemandem in der Welt in Zweifel gezogen werden sollte. [...] In diesem Sinne erhebe ich mein Glas und trinke [...] auf eine Zukunft in Frieden und Freiheit für alle Deutschen und alle Völker Europas."

Franz Josef Strauß verstarb am 3.10.1988 und erlebte die Wiedervereinigung nicht mehr. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde am 3.10.1990 der Einigungsvertrag unterzeichnet. Der Todestag von Franz Josef Strauß fällt seitdem mit dem Feiertag zusammen, der an das große Ziel seiner Politik, die Überwindung der deutsch-deutschen Teilung erinnert.

 

Tischrede des Bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß bei einem Mittagessen zu Ehren seiner Exzellenz, des Generalsekretärs des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzenden des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik, Herrn Erich Honecker, im Antiquarium der Residenz, am Freitag, 11. September 1987

Kontakt
Referat II/9: Archiv für Christlich-Soziale Politik (ACSP) Bibliothek
Tobias Flümann
Telefon: 089 1258-274
Fax: 089 1258-469
E-Mail: fluemann@hss.de