Zum 110. Geburtstag von Franz Josef Strauß
"Herzog aus dem Volk"
Strauß' Wechsel in die Landespolitik erfolgte mit seiner Wahl zum bayerischen Ministerpräsidenten am 7. November 1978. Die Aufnahme zeigt ihn als jungen Mann.
© HSS/ACSP; ACSP, NL Strauß Fam : 1460
Der politische Werdegang von Franz Josef Strauß ist eng verknüpft mit der bundesdeutschen Geschichte, die er als Regierungsmitglied und als Oppositionspolitiker mitbestimmte. Die politische Karriere des beliebten Politikers begann 1945: Aufgrund seiner Gegnerschaft zum Naziregime und seiner englischen Sprachkenntnisse berief ihn die amerikanische Besatzungsbehörde in Schongau 1945 zum stellvertretenden Landrat. Zunächst wurde der Kommunalpolitiker Strauß 1945 einer der Mitbegründer des CSU-Kreisverbands Schongau, wo er 1946 und 1948 zum Landrat gewählt wurde. Gleichzeitig begann er als Abgeordneter des Frankfurter Wirtschaftsrates seine bundespolitische Karriere und wurde am 14. August 1949 als Abgeordneter in den ersten Deutschen Bundestag gewählt. 1953 berief ihn Bundeskanzler Konrad Adenauer als Bundesminister für besondere Aufgaben in sein Kabinett. 1955/1956 war Strauß Bundesminister für Atomfragen und schließlich von 1956 bis zu seinem durch die „Spiegel-Affäre“ erfolgten Rücktritt 1962 Bundesminister der Verteidigung. Von Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger wurde Strauß von 1964 bis 1969 zum Finanzminister berufen.
Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß prägte Bayern, Deutschland und Europa nachhaltig.
Eduard Dietl; ACSP; ACSP, Ph P : Strauß, Franz Josef : 3/2/1
Zwischen Tradition und Moderne
Strauß' Wechsel in die Landespolitik erfolgte mit seiner Wahl zum bayerischen Ministerpräsidenten am 7. November 1978. Die Ziele seiner Politik formulierte er in seiner Regierungserklärung am 14. November 1978: „ein politisch gefestigtes, wirtschaftlich gesundes, in sozialem Frieden lebendes, in lebendiger Tradition stehendes, seiner deutschen Aufgabe und europäischen Verpflichtung bewußtes Bayern. Die Ecksteine unserer Politik sind dabei der demokratische Rechtsstaat, das parlamentarische System, die soziale Marktwirtschaft, die föderative Ordnung der Bundesrepublik.“ (ACSP RS Strauß 1978 : 1114).
Die Verbindung von Hochtechnologie und Tradition war kennzeichnend für die Ära Strauß. Das zeigte sich unter anderem in seinem Einsatz für den Aufbau einer modernen Luft- und Raumfahrtindustrie in Bayern. Im Bereich der Bildungspolitik sind der Ausbau der Hochschulen und die Modernisierung des Schul- und Universitätswesens als Strauß' Verdienste zu nennen. Aber auch umstrittene Großprojekte wie der Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals, die Errichtung eines Großflughafens im Erdinger Moos oder die geplante atomare Wiederaufbereitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf sind mit Franz Josef Strauß verbunden. Durch seine internationalen Kontakte war es ihm möglich auch als Parteivorsitzender der CSU und Ministerpräsident außen-, europa- und deutschlandpolitische Akzente zu setzen. Zwischen 1952 und 1988 nahm Strauß Termine in 63 Ländern wahr. Die Reisen unternahm er zunächst im Rahmen seiner Tätigkeiten als Bundesminister, doch er wurde auch zu Vorträgen, kulturellen Veranstaltungen, Tagungen oder Kongressen, als Parteivorsitzender, bayerischer Regierungschef oder auch Aufsichtsratsvorsitzender der Airbus Industrie eingeladen. Zudem reiste Strauß zu Gesprächen mit Mandats- und Funktionsträgern des jeweiligen Landes. Diese Internationalität, bedeutete jedoch keineswegs, dass Strauß nicht fest in seiner Heimat Bayern verwurzelt war, denn, so formulierte der Ministerpräsident beim Festakt „100 Jahre Trachtenvereine in Bayern“ am 3. Juli 1983, „wo Heimat und Brauchtum gepflegt werden, wird auch eine staatspolitische Aufgabe hohen Ranges erfüllt. Deshalb dürfen alle, denen die Erhaltung des unverwechselbaren Gesichts unserer Heimat am Herzen liegt, versichert sein: Im Rahmen ihrer Möglichkeiten wird die Bayerische Staatsregierung auch weiterhin alle unterstützen, die sich in Rat und Tat darum bemühen, unser Bayern unverwechselbar und liebenswert zu erhalten.“ (ACSP, NL Strauß, Slg. Kray RA 83/64).
Am 6. September wäre der Politiker Franz Josef Strauß 110 Jahre alt geworden.
Josef A. Slominski; ACSP; ACSP, Ph Slominski: 111/3/30
Das Ende einer Ära
Franz Josef Strauß starb am 3. Oktober 1988 in Regensburg. Zwei Tage zuvor war er nach einem Besuch des Oktoberfestes mit dem Hubschrauber dorthin aufgebrochen, um mit Johannes Fürst von Thurn und Taxis auf die Jagd zu gehen. Kurz nach der Landung war er zusammengebrochen. „Akutes Herz-Kreislauf-Versagen“ lautete die Diagnose.
Der Leichnam wurde nach München überführt und im Prinz-Carl-Palais aufgebahrt. Nach einem Staatsakt in der Residenz folgte ein Trauerzug dem Sarg, der von sechs mit weiß umrandeten schwarzen Decken behängten Pferden über die Ludwigstraße bis zum Siegestor gezogen wurde. Von dort wurde er nach Rott am Inn überführt, wo er neben seiner 1984 verstorbenen Frau Marianne in der Familiengruft beigesetzt wurde. Der „Größte“ in Bayern, „Herzog aus dem Volk“, „Konservativ und ein Erneuerer“, „Kein politisches Urgestein, sondern ein Vulkan, kein Fels, sondern Lava“ – so schrieben die Zeitungen über diesen Ministerpräsidenten nach dessen Tod (vgl. Möller, Strauß, S. 726). Strauß selbst hatte es einmal so formuliert: „Ich möchte als Ergebnis meiner politischen Arbeit und als Summe meines politischen Lebens sagen können: Ich habe vielen Menschen geholfen, dem Frieden gedient und meinen Beitrag geleistet, Deutschland zu erhalten und Bayern auf dem Weg zum schönsten Land der Welt ein gutes Stück vorangebracht.“ (ACSP, Z-BK 1988 : 41).
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