Archivale des Monats
Ferien eines Spitzenpolitikers – Sommerurlaub bei der Familie Strauß
Postkarte von Marianne und Franz Josef Strauß aus Les Issambres vom 22. August 1970, Vorderseite. Abgebildet sind die Felsformation „Rocher de la Cathédrale am Cap Dramont“ (links oben), die Felsbucht „Les Calanques des Issambres“ (links unten), die Strände von Saint Raphael (oben mittig) und Sainte-Maxime (unten mittig) sowie die Häfen von Saint Aygulf (rechts oben) und Saint-Tropez (rechts unten).
ACSP; ACSP, NL Strauß Fam : 2676
Urlaubsgrüße aus Südfrankreich
Im Juni 1976 wurden Franz Josef Strauß und seine Ehefrau Marianne in einem gemeinsamen Interview der Werbeagentur Team 70 mit der Frage „Wann spannt ein Spitzenpolitiker wie Franz Josef Strauß aus?“ konfrontiert. Franz Josef Strauß antwortete:
„Man muss die wenigen Möglichkeiten, die sich bieten, so gut wie möglich ausnutzen. In der Hauptsache sind es natürlich Feiertage, Weihnachten, Ostern, Pfingsten. Und dann hab ich es mir seit einigen Jahren zur Gewohnheit gemacht, wenigstens drei Wochen zusammenhängenden Urlaub zu nehmen, dabei nicht von Ort zu Ort zu fahren, sondern an einem Urlaubsort zu bleiben.“ (ACSP, NL Strauß Slg Kray I : 76/19)
Bei diesem von Strauß angesprochenen Urlaubsort handelte es sich um Les Issambres an der Côte d’Azur. Dort besaß die Familie Strauß seit Beginn der 1960er Jahre ein Ferienhaus, in dem sie regelmäßig ihren Sommerurlaub verbrachte. Blickt man in die Terminkalender von Franz Josef Strauß, waren dort häufig ungefähr drei Wochen im August für den Aufenthalt in Les Issambres geblockt. Im Jahr 1970 markierte die Anmerkung „Ferien“ am 11. August den Urlaubsbeginn. Erst am 1. September 1970 war mit dem Besuch einer „Festhalle in Neustadt an der Aisch“ (ACSP, NL Strauß Fam : 425) wieder ein dienstlicher Termin zu finden. Dass die Familie Strauß bei ihren Reisen die in den heutigen Social-Media-Zeiten aus der Mode gekommene Tradition, Postkarten an Verwandte und Bekannte zu senden, intensiv pflegte, belegen zahlreiche Exemplare im Nachlass des CSU-Politikers. Überliefert sind dabei Postkarten an politische und private Weggefährten wie Gerhard Schmückle, Friedrich Zimmermann oder Karl Dersch.
Postkarte von Marianne und Franz Josef Strauß aus Les Issambres vom 22. August 1970, Rückseite
ACSP; ACSP, NL Strauß Fam : 2676
Auch Ilse und Max Zwicknagl, die Eltern von Marianne Strauß, wurden auf diesem Wege oftmals mit Urlaubsgrüßen bedacht. So auch im Jahre 1970. Nachdem Max Zwicknagl allerdings 1969 verstorben war, wandte sich Franz Josef Strauß bei dieser Postkarte lediglich an die „Liebe Ilse“, der er am 22. August folgende Zeilen aus Les Issambres zukommen ließ:
„Wir haben hier herrliches Wetter und uns zu erholen begonnen. Es ist wirklich ein zauberhafter Fleck Erde. […] Die Kinder sind beinahe Wassermenschen geworden. Herzliche Grüße von uns allen, Dein Franz Josef!“
Marianne Strauß ergänzte:
„Wir erholen uns richtig. Das Wetter ist herrlich und das Haus gar nicht heiß. Herzlichst Deine Marianne“
Die Vorderseite der Postkarte zierten unter dem Titel „Riviera Varoise“ Bilder von Buchten, Stränden und kleinen Häfen dieser von der Familie Strauß so sehr geschätzten Gegend.
Marianne und Franz Josef Strauß auf der Terrasse ihres Ferienhauses in Les Issambres, Datierung unbekannt
Josef A. Slominski; ACSP; ACSP, Ph Slominski : 63-7-20
Wer rastet, der rostet
Während bei der Postkarte Informationen über die Urlaubsaktivitäten nur am Rande zur Sprache kamen, nannte Franz Josef Strauß beim eingangs erwähnten Interview „Schwimmen, Radfahren, Bergsteigen oder bescheidener gesagt: Bergwandern“ als Betätigungsfelder für seinen Urlaub. Man müsse schließlich, „auch wenn man nicht mehr der Jüngste ist, eine Art Leistungserhaltungssport treiben“, so Strauß. Auf die Frage, ob in diesen drei Wochen in Frankreich die Familie Strauß wenigstens die ganze Zeit zusammen sei, berichtete Marianne Strauß:
„Das ist in den letzten Jahren eigentlich immer gelungen. […] Wenn mein Mann ein bisschen Zeit hat, dann ist die Gemeinsamkeit, vor allem auch mit den Kindern, sehr intensiv. Der Sport spielt dabei auch eine große Rolle.“ (ACSP, NL Strauß Slg Kray I : 76/19)
Trotz aller Erholung, sportlicher Aktivitäten und Zeit für die Familie konnte Franz Josef Strauß auch im Urlaub die Politik nicht gänzlich ruhen lassen. Für das Jahr 1962 liegen beispielsweise Unterlagen vor, die seine Erreichbarkeit per Telefon und Telegramm während des Aufenthalts in Les Issambres regelten. Vereinzelt fanden dort auch Treffen u.a. mit Politikern oder Presseinterviews statt. Ob dies auch im Jahr 1970 der Fall war, geht aus seinem Nachlass nicht hervor. Da er 1970 kein Ministeramt bekleidete, gehörte dieser Urlaub aber vermutlich zu den entspannteren in seiner politischen Laufbahn.
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