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Bildungspolitik

Berührungspunkte zu bildungs- und wissenschaftspolitischen Fragestellungen ergaben sich im Laufe der politischen Aktivitäten von Franz Josef Strauß immer wieder, wenn auch sein Wirken in anderen Bereichen stärker hervortrat. Die Absicht nach dem Studium eine Lehrtätigkeit im universitären Bereich auszuüben, die Tätigkeit als Studienrat in den letzten Kriegsjahren, die Berufung zum Leiter des Bayerischen Landesjugendamtes in den ersten Nachkriegsjahren sowie der Vorsitz im Ausschuss für Jugendfürsorge in der ersten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages konfrontierten ihn direkt mit bildungspolitischen Problemen.

In den fünfziger Jahren förderte die von Franz Josef Strauß in seiner Funktion als Bundesminister für Atomfragen initiierte Deutsche Atomkommission den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik, der auch nach der Übernahme des Verteidigungsressorts mit der Schaffung eines wissenschaftlich-technischen Beirats im Bereich der militärischen Luftfahrt nicht abriss. Auf landespolitischem Gebiet war Franz Josef Strauß maßgeblich an jenem Kompromiss beteiligt, der 1958 den jahrelangen Streit um die Reform der Lehrerbildung in Bayern beendete. In enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Präsidenten des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes gelang es, durch die Schaffung von sogenannten konfessionsgebundenen Lehrstühlen die vor allem auf katholischer Seite bestehenden Vorbehalte der Kirchen gegen eine Neuregelung der Lehrerbildung aufzubrechen. Rund zehn Jahre später, 1968, erreichte Franz Josef Strauß erneut den Durchbruch bei einer für Bayern wichtigen schulpolitischen Frage zur Abschaffung der Konfessionsschule. Die dabei auf der Grundlage von Verhandlungen mit den Landesvorsitzenden der SPD und FDP ausgehandelte Übereinkunft bedeutete eine Neureglung der Stellung der christlichen Gemeinschaftsschule und wurde schließlich in einem Volksentscheid mit großer Mehrheit angenommen.

Bei seinem Amtsantritt als Bayerischer Ministerpräsident 1978 knüpfte Franz Josef Strauß bewusst an bildungspolitische Themen seiner Vorgänger an. Dabei fand die Beibehaltung des gegliederten Schulsystems ebenso ihre Fortsetzung wie der Hochschulausbau in Regensburg, Bayreuth, Passau und Bamberg. Zugleich setzte er Akzente in der Modernisierung des Schul- und Universitätswesens. Die Berufung eines Wissenschaftlich-Technischen Beirats der Bayerischen Staatsregierung in der dritten Amtszeit stand dabei in der Tradition jener Gremien, die Franz Josef Strauß in den fünfziger Jahren als Bundesminister für Atomfragen bzw. für Verteidigung initiiert hatte. Dem weiteren Dialog zwischen Wissenschaft und Politik dienten auf landespolitischer Ebene auch die Stiftung des Bayerischen Filmpreises 1979 sowie die Errichtung des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst 1981, deren Ordensträger die Zahl von 100 Personen nicht überschreiten dürfen.

Zwischen 1970 und 1978 kam es unter dem Parteivorsitz von Franz Josef Strauß auch innerhalb der CSU zu bildungs- und kulturpolitischen Initiativen. Dabei wurden entweder bereits bestehende Einrichtungen wie der Kulturbeirat der Union in modernere Organisationsformen überführt oder neue Einrichtungen geschaffen, die modernen Entwicklungen Rechnung trugen. Mit der Wahl von Otto Meyer zum Vorsitzenden gründete sich am 16. April 1970 ein Arbeitskreis Kultur innerhalb der CSU, dem dann mit der Gründung der CSU-Filmkommission im Januar 1976 ein weiteres kultur- und medienpolitisches Gremium folgte. Im Jahr 1978 traf sich schließlich erstmals der auf Initiative des damaligen bayerischen JU-Vorsitzenden Otto Wiesheu entstandene Gesprächskreis Politik, Wissenschaft und Kultur, der sich wie es Hans Maier, damaliger Kultusminister und Mitglied des CSU-Vorstandes, in einem Schreiben an Franz Josef Strauß formulierte, als "... ein wirksamer und beachteter Kontrapunkt gegen bekannte progressive Kreise und Gruppierungen" verstehen sollte.