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Atomminister

Der Erforschung und friedlichen Nutzung der Kernenergie wurde in der Nachkriegszeit national wie auch international ein hoher Stellenwert als zukunftsorientiertem Wissenschaftsbereich eingeräumt, zudem sah man in ihr eine Alternative zu den bisher verwendeten Energieträgern Kohle und Wasserkraft. Einer solchen Entwicklung trug die Bundesregierung Rechnung, indem sie am 6. Oktober 1955 ein Bundesministerium für Atomfragen bildete, als dessen Leiter Bundeskanzler Konrad Adenauer seinen bisherigen Sonderminister Franz Josef Strauß berief.

Aufgabe dieses Ministeriums war es zunächst, Wissenschaft und Forschung im Bereich der Atomwissenschaft zu unterstützen, Rückstände aufzuholen und auf das Niveau anderer Länder zu kommen. Erreicht wurde dies durch die Bündelung verschiedener Zuständigkeiten an einer Stelle, wobei man sich am Vorbild entsprechender Einrichtungen in den USA, Frankreich und Großbritannien orientierte.

Mit der Erarbeitung eines sogenannten "Drei-Stufen-Plans" gelang es dem neuen Minister, ein erstes deutsches Atomprogramm vorzulegen, das seine Amtsnachfolger in den Jahren 1963-1967, 1968-1972 und 1973-1976 mit weiteren Programmen fortschreiben sollten. In der ersten Stufe des Programms versuchte man, den durch die Kriegsfolgen bedingten Mangel an qualifizierten Wissenschaftlern und Technikern auszugleichen. Die zweite Stufe beinhaltete die Erwerbung von fünf Forschungsreaktoren von den USA und Großbritannien und ihre Aufstellung in München, Frankfurt, Königsforst bei Köln, Berlin und Hamburg. Die dritte und letzte Phase des Programms sah dann die Errichtung eines Kernreaktors deutscher Konstruktion und Fabrikation durch das Reaktorzentrum Karlsruhe vor.

Die Verwirklichung dieses Programms war nur durch eine verstärkte internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet möglich, da die Bundesrepublik nicht über die entsprechenden Ressourcen und Forschungseinrichtungen verfügte. Bereits vier Wochen nach dem Amtsantritt von Franz Josef Strauß lag dem Bundeskabinett der Entwurf eines Abkommens mit den USA über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Nutzung und Erforschung der Kernenergie vor. Die zu diesem Zweck in den USA, in Frankreich und in Großbritannien geführten Gespräche waren auch ein weiterer wichtiger Schritt der Bundesrepublik auf dem Weg zum gleichberechtigten Partner innerhalb des westlichen Bündnisses. Schließlich konnte im Mai 1956 ein Vertrag über den Kauf des ersten deutschen Forschungsreaktors in den USA abgeschlossen werden. 

Daneben wurde dem Ministerium am 26. Januar 1956 die Deutsche Atomkommission  als Beratungsorgan beigegeben. Ihr gehörten fünfundzwanzig namhafte Wissenschaftler, unter ihnen der Nobelpreisträger Otto Hahn, an. Die von Franz Josef Strauß in die Wege geleiteten Entwicklungen fanden dann unter seinem Nachfolger im Amt, Siegfried Balke, einen gewissen Abschluss: Der Beitritt der Bundesrepublik zur Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO), einer auf Initiative des amerikanischen Präsidenten Eisenhower am 26. Oktober 1956 gegründeten Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Wien, erfolgte im Oktober 1957 und der nach der Beseitigung alliierter Vorbehalte am 30. Oktober 1957 von der Max-Planck-Gesellschaft in Betrieb genommene erste deutsche Forschungsreaktor konnte am 3. Februar 1958 durch Ministerpräsident Hanns Seidel an die Technische Hochschule München übergeben werden.

Ernennungsurkunde zum Bundesminister für Atomfragen

ACSP; ACSP, NL Strauß Fam 918

"Franz Josef Strauß. Bundesverteidigungsminister. Ein Rechenschaftsbericht 1953-1957" Kandidatenbrief zur Bundestagswahl 1957

ACSP; ACSP, Strauß Franz Josef PS 10-4-3

"Franz Josef Strauß. Bundesverteidigungsminister. Ein Rechenschaftsbericht 1953-1957" Kandidatenbrief zur Bundestagswahl 1957

ACSP; ACSP, Strauß Franz Josef PS 10-4-3