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Verteidigungsminister

Der Beginn des Kalten Krieges veränderte die Einstellung der Westmächte gegenüber dem ehemaligen Kriegsgegner Deutschland. Mit der Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland am 9. Mai 1955 in das seit 1949 bestehende Nordatlantische Verteidigungsbündnis (NATO) und der als Reaktion darauf erfolgten Einbindung der DDR in das sowjetisch beherrschte Bündnis des Warschauer Paktes im gleichen Monat vollzog sich auch im verteidigungs- und sicherheitspolitischen Bereich die Teilung Deutschlands.

Der Beitritt zur NATO bedeutete außerdem, bestimmte Verpflichtungen innerhalb des Bündnisses zu übernehmen und eine nationale Streitmacht aufzubauen. Als Folge davon ging im Juli 1955 das sogenannte "Amt Blank" im Bundesministerium der Verteidigung auf, jedoch erwiesen sich die dort erarbeiteten Pläne für den Aufbau der Bundeswehr als undurchführbar. In der Ernennung eines neuen Verteidigungsministers sah Bundeskanzler Adenauer die einzige Lösung des Problems. Am 16. Oktober 1956 übernahm Franz Josef Strauß das Amt des Verteidigungsministers.

Die schwierigen Aufgaben, eine nationale Streitmacht bei gleichzeitiger Beteiligung der Bundeswehr an der nuklearen Planung der Allianz aufzubauen und eine Akzeptanz für eine solche Streitmacht in der deutschen Bevölkerung zu schaffen, standen im Zentrum seiner Amtszeit. Mit dem Begriff "Bürger in Uniform" konnte man diese Akzeptanz erfolgreich in der Bevölkerung verankern. Dagegen blieben die strategischen Überlegungen, die von der Veränderung des Kriegsbildes durch Atomwaffen geprägt waren, nach wie vor heftig umstritten. Bedenken gegen eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr teilten auch führende deutsche Wissenschaftler. Einigen dieser Wissenschaftler erschienen die von der Politik in diesem Zusammenhang angeführten Argumente nicht stichhaltig genug, weshalb sie sich in einem offenen Brief vom 12. April 1957, der sogenannten "Göttinger Erklärung" strikt gegen eine nukleare Aufrüstung der Streitkräfte wandten.

Die heftige Kritik am verteidigungspolitischen Konzept gehörte mit zu den Hintergründen der "Spiegel-Affäre". Nach öffentlichen Rücktrittsforderungen sowie massiven Protesten des Koalitionspartners FDP und der Drohung, ihre Minister aus der Regierung zurückzuziehen, sah sich Franz Josef Strauß genötigt am 14. Dezember 1962 zurückzutreten, um so die Regierungskrise zu beenden. Zum Nachfolger wurde Kai-Uwe von Hassel berufen, der erst im Januar 1963 die Amtsgeschäfte von Franz Josef Strauß übernahm.

"Es spricht Bundesminister Franz Josef Strauß" Plakat zur Kommunalwahl 1960

ACSP; ACSP, Pl S 1081

"Franz Josef Strauß. Bundesverteidigungsminister. Ein Rechenschaftsbericht 1953-1957" Kandidatenbrief zur Bundestagswahl 1957

ACSP; ACSP, Strauß Franz Josef PS 10-4-5