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Politischer Aschermittwoch

Die Tradition des Politischen Aschermittwoch in Vilshofen, der ursprünglich auf einen Viehmarkt im 19. Jahrhundert und dann auf Kundgebungen des Bauernbundes in der Weimarer Zeit zurückging, setzte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder ein.

1946 hielt der Bayerischen Bauernverband nach Vorgabe der Militärverwaltung zunächst ein „unpolitisches Treffen“ ab. Ab 1948 knüpfte die Bayernpartei, die die Gründung ihres Ortsverbandes Vilshofen auf den Aschermittwoch 1948 legte, wieder an die politischen Großkundgebungen der Vorkriegszeit an. Josef Baumgartner, der kurz zuvor aus der CSU ausgetreten und nun Mitglied der Bayernpartei war, nutzte seine Rede als Forum für seine Angriffe auf die CSU. Diese Dauerfehde prägte in den folgenden Jahren die Aschermittwochsveranstaltungen der Bayernpartei und der CSU in Vilshofen.

Am 18. Februar 1953 war die Gaststätte "Wolferstetter Keller" in Vilshofen erstmals Schauplatz einer Aschermittwochsveranstaltung der CSU, bei der der damalige CSU-Generalsekretär Franz Josef Strauß als einer der Redner auftrat. Seitdem garantierte das rhetorische Talent des Bundesministers, Parteivorsitzenden und Bayerischen Ministerpräsidenten als Hauptredner eine jährlich steigende Zuhörerschaft und das Duell zwischen ihm und Josef Baumgartner eine über die bayerischen Landesgrenzen hinausreichende Publizität der Veranstaltung. Auszüge der am politischen Aschermittwoch gehaltenen Reden wurden erstmals 1974 als Dokumentationen in der Parteizeitung Bayernkurier veröffentlicht, besonders pointierte Aussagen über den politischen Gegner als Zitate in den Medien kolportiert und mit Vorliebe von den Karikaturisten aufgegriffen.

Der große Publikumsandrang veranlasste die CSU schließlich zu einer Verlegung des Veranstaltungsorts. Seit dem 12. Februar 1975 trafen sich Anhänger und Medienvertreter alljährlich in der Passauer Nibelungenhalle. Hier war es auch, wo 1975 jene Äußerung vom "Saustall ohnegleichen" fiel, die im Vorfeld der Bundestagswahl 1976 für erheblichen Wirbel sorgte. Seit Mitte der siebziger Jahre kam es zu einer Ausweitung des Politischen Aschermittwochs. Immer mehr Parteien und Verbände organisierten politische Kundgebungen, die nun an verschiedenen Orten stattfanden. Zudem traten zu den bisher üblichen ein oder zwei Hauptrednern vermehrt Ko-Referenten auf.

Von 1953 bis zu seinem Todesjahr 1988 trat Franz Josef Strauß insgesamt fünfunddreißig Mal als Redner beim Politischen Aschermittwoch auf. Seine durch Unterlagen belegten Auftritte in Vilshofen und Passau sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst. Lediglich 1963 war Franz Josef Strauß nicht in Vilshofen, sondern ließ sich wegen eines privaten Auslandsaufenthaltes durch Bundesminister Hermann Höcherl vertreten.

Ausschnitt der Rede am Poltischen Aschermittwoch 1978 in Passau zur "Landtagswahl in Bayern 1978" 

Ausschnitt der Rede am Politischen Aschermittwoch 1988 in Passau zur "Moskaureise" 1987

Politischer Aschermittwoch 1988, Transparent "FJS - Der Mann mit Herz und Verstand - Ein Segen für unser Land"

Winfried Rabanus; ACSP; ACSP, Rabanus Winfried 83-5-5

Politischer Aschermittwoch der CSU mit Transparenten "CDU Peine grüßt Franz Josef Strauß" und "F. J. Strauß Kanzler für Deutschland"

Josef A. Slominski; ACSP; ACSP, Ph Slominski 111-4-37

Karin Stoiber auf dem Politischer Aschermittwoch der CSU 2002 mit einem FJS-Bierkrug

Faces by Frank; CSU; ACSP, Politischer Aschermittwoch 20020212-37

"Unvergessen F. J. Strauß in unserem Herzen" Politischer Aschermittwoch 1989

Winfried Rabanus; ACSP; ACSP, Rabanus Winfried 96-3-4

Politischer Aschermittwoch: Auftreten Franz Josef Strauß ab 1953

Datum Manuskript Veröffentlichung Töne/Video
1953 Februar 18 Manuskript Zeitungsausschnitt  
1954 Februar 22   Zeitungsausschnitt  
1955 Februar 23   Zeitungsausschnitt  
1957 März 6   Zeitungsausschnitt  
1958 Februar 19      
1959 Februar 11      
1960 März 2      
1961 Februar 15 Manuskript Zeitungsausschnitt; Bayernkurier  
1962 März 7   Zeitungsausschnitt; Bayernkurier  
1963 Februar 27   Zeitungsausschnitt  
1964 Februar 12 Manuskript Zeitungsausschnitt; Bayernkurier  
1965 Februar   Zeitungsausschnitt; Bayernkurier  
1966 Februar 23   Zeitungsausschnitte  
1967 Februar 8   Zeitungsausschnitte  
1968 Februar 28   Zeitungsausschnitte  
1969 Februar 1   Zeitungsausschnitte  
1970 Februar 11 Manuskript Zeitungsausschnitte Tonmitschnitt
1971 Februar 24 Manuskript   Tonmitschnitt
1972 Februar 16 Manuskript Zeitungsausschnitte  
1973 März 7 Manuskript Zeitungsausschnitte Tonmitschnitt
1974 Februar 27   Dokumentation Bayernkurier Tonmitschnitt
1975 Februar 12 Manuskript Dokumentation Bayernkurier Tonmitschnitt
1976 März 3 Manuskript Zeitungsausschnitt Tonmitschnitt
1977 Februar 23 Manuskript Zeitungsausschnitt Tonmitschnitt
1978 Februar 8 Manuskript Zeitungsausschnitt; Dokumentation Bayernkurier Tonmitschnitt
1979 Februar 28 Manuskript Zeitungsausschnitt; Dokumentation Bayernkurier Tonmitschnitt
1980 Februar 20 Manuskript Zeitungsausschnitt; Dokumentation Bayernkurier Tonmitschnitt
1981 März 4 Manuskript Zeitungsausschnitt; Dokumentation Bayernkurier Videomitschnittt
1982 Februar 25   Bayernkurier Dokumentation Tonmitschnitt
1983 Februar 16   Zeitungsausschnitt; Bayernkurier Dokumentation  
1984 März 7 Manuskript Zeitungsausschnitt; Bayernkurier Dokumentation  
1985 Februar 20 Manuskript   Videomitschnitt; Tonmitschnitt
1986 Februar 12     Videomitschnitt; Tonmitschnitt
1987 März 4     Tonmitschnitt
1988 Februar 17     Tonmitschnitt

* Anhand des Politischen Aschermittwoch 1978 werden Entstehung und redaktionelle Bearbeitung einer Rede von Franz Josef deutlich: am Beginn stand der Notizzettel mit einem groben Abriss der Rede, ihm folgte ein Mittschnitt der tatsächlichen Rede auf Tonband und dessen Abschrift, und zuletzt die redaktionell bearbeitete Zusammenfassung im Parteiorgan "Bayernkurier"