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Soldat

Vor seiner Militärzeit leistete Franz Josef Strauß zwischen April und September 1935 seinen Arbeitsdienst im Lager Schleißheim-Hochbrück ab. Am 31. August 1939 wurde er zur Wehrmacht (schwere Artillerie) nach Landsberg eingezogen und kurz darauf zur II. Abteilung des Artillerieregiments 43 in der Nähe von Trier versetzt. Nachdem er im März 1940 zur Ablegung des Ersten Staatsexamens von seinem Truppenteil beurlaubt worden war, kehrte er am 16. April 1940 dorthin zurück. Im gleichen Jahr erfolgten am 1. Mai seine Beförderung zum Gefreiten und die Teilnahme am Frankreichfeldzug. Einsatzorte waren das Länderdreieck Luxemburg-Belgien-Frankreich, die Flüsse Marne, Seine und Loire, sowie St. Martin an der französischen Kanalküste. Von dort wurde er im Spätherbst an die belgische Grenze verlegt und am 1. November zum Unteroffizier befördert. Im Februar 1941 unterstellte man seine Batterie der Heeresflak-Abteilung 277, die in Kronach in Oberfranken zusammengestellt worden war und nach Abschluss der Aufstellung in Polen zum Einsatz kam. Nach der Ablegung des Zweiten Staatsexamens am 1. April 1941 wurde er am 14. April erneut einberufen und nahm ab Juni am Russlandfeldzug teil. Sein Truppenteil kam nacheinander in den Räumen Przemysl, Lemberg, Kirowograd, Krementschug und Dnjepr zum Einsatz.

Von September 1941 bis Februar 1942 absolvierte er einen Offiziersanwärterlehrgang in Altendamm bei Stettin. Am 15. Februar des gleichen Jahres erfolgte die Beförderung zum Wachtmeister und Leutnant. Im Rahmen der weiteren militärischen Laufbahn gehörte Franz Josef Strauß der Heeresflakartillerieabteilung 279 in Gotha an, aus der im März 1942 die Heeresflakabteilung 289 neu aufgestellt wurde. Diese Abteilung wurde dann am 28. April von Gotha nach Russland verlegt und in der Ukraine, auf der Krim sowie vor Stalingrad eingesetzt, wo sich Franz Josef Strauß beide Füße erfror. Nachdem er zwischen Januar und Mai 1943 an der Feldflak-Artillerieschule XII in Stolpmünde einen weiteren Lehrgang absolviert hatte, wurde er als Ausbildungsoffizier und Abteilungsadjudant an die Flakschule IV in Altenstadt bei Schongau abkommandiert. Während seiner Zeit in Altenstadt kam es kurzzeitig zu weiteren Abstellungen nach Dänemark, dem Ruhrgebiet und Frankreich. Das Kriegsende erlebte Franz Josef Strauß, seit dem 1. Juni 1944 im Rang eines Oberleutnants, in Schwabniederhofen. Dort nahm ihn eine Patrouille der in Richtung Lechtal vorrückenden amerikanischen Truppen Ende April 1945 gefangen und brachte ihn nach Schongau. Er wurde im sogenannten Ballenhaus interniert und verfasste während dieser rund fünf Wochen dauernden Gefangenschaft einen Bericht über seinen Einsatz in Russland.

Seine Englischkenntnisse verschafften ihm dann kurzzeitig eine Anstellung bei der alliierten Militärregierung in Schongau, bevor mit der Einsetzung als stellvertretender Landrat durch die amerikanische Militärregierung die Grundlagen für seine spätere politische Karriere gelegt wurde.

Im Zuge der auf Anordnung der Besatzungsmächte durchgeführten Entnazifizierungsverfahren wurde auch eine mögliche nationalsozialistische Vergangenheit von Franz Josef Strauß in den Jahren 1933 bis 1945 untersucht, die über dreißig Jahre später im Zusammenhang mit Wahlkämpfen erneut öffentlich thematisiert werden sollte. Nach Überprüfung der eingereichten Unterlagen durch die Spruchkammer Schongau stufte diese ihn am 15. Oktober 1946 in die Gruppe V "entlastet" ein, da Franz Josef Strauß außer dem NSKK keiner anderen Gliederung der NSDAP angehört hatte und auch kein Parteimitglied gewesen war.