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Landespolitik

Zeit seines Lebens spielte die bayerische Herkunft von Franz Josef Strauß eine bedeutende Rolle, sowohl in der mitunter nicht immer wohlwollenden Beurteilung seiner Person in der öffentlichen Berichterstattung, wie auch im eigenen Selbstverständnis. Anfang und Ende der politischen Tätigkeit waren eng mit dem Freistaat verbunden. Obwohl sich seit der Mitgliedschaft im Wirtschaftsrat der Bizone 1948 und der Wahl zum Bundestagsabgeordneten 1949 der Arbeitsschwerpunkt zusehends von der Landes- auf die Bundespolitik verlagerte, blieb Franz Josef Strauß nicht zuletzt durch parteipolitische Aktivitäten, als Mitglied der Vorstandschaft (1946), als Landesgeschäftsführer bzw. Generalsekretär (1948 bis 1952) und schließlich als CSU-Parteivorsitzender (1961 bis 1988) in der bayerischen Landespolitik präsent.

Die von den bayerischen Ministerpräsidenten seit den fünfziger Jahren verfolgten Pläne, den Agrarstaat Bayern in einen zukunftsorientierten Industriestaat zu verwandeln, fanden in Franz Josef Strauß einen wichtigen Fürsprecher auf Bundesebene. Dies zeigte sich etwa beim Bau des ersten deutschen Forschungsreaktors, der auch aufgrund seiner Unterstützung im Jahr 1958 in Garching bei München in Betrieb genommen werden konnte. Als Vorsitzender der CSU bezog Franz Josef Strauß dann Ende der sechziger Jahre in Fragen der bayerischen Bildungspolitik Positionen, die von denen der CSU-Landtagsfraktion abwichen. Der von ihm mit den Landesvorsitzenden von SPD und FDP, Volkmar Gabert und Dietrich Bahner, ausgehandelte Kompromiss einer christlichen Gemeinschaftsschule wurde schließlich in einem Volksentscheid mit großer Mehrheit am 7. Juli 1968 gebilligt.

Zum selben Zeitpunkt war Franz Josef Strauß durch seine Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Olympia Baugesellschaft auch an Planungen beteiligt, die vor allem für die Infrastruktur der Region München positive Auswirkungen hatten. Unter seiner Amtszeit als Bayerischer Ministerpräsident setzte Franz Josef Strauß die Politik seiner Vorgänger konsequent fort, indem er Bayern u.a. zu einem bedeutenden Standort der Luft- und Raumfahrtindustrie entwickelte und durch medienpolitische Initiativen die Eingliederung der neuen Medien in das bestehende Mediensystem vorantrieb. Gleichzeitig verband sich bei ihm die Aufgeschlossenheit für technische Neuerungen mit der lebendigen Pflege bayerischer Traditionen.

Mit gleichzeitigen politischen Aktivitäten auf Bundes- wie auf Landesebene hielt sich Franz Josef Strauß immer wieder Optionen in beide Richtungen offen, obwohl er nach 1978 bis zu seinem Tod 1988 als Ministerpräsident in Bayern blieb. Nährte etwa die Wahl zum CSU-Landesvorsitzenden 1961 öffentliche Spekulationen über einen bevorstehenden Wechsel von Bonn nach München, so interpretierte man die Nominierung des Bayerischen Ministerpräsidenten zum gemeinsamen Kanzlerkandidaten der CDU/CSU 1979 und seine öffentlichen Äußerungen im Zusammenhang mit der Bildung einer Koalition aus CDU/CSU und FDP unter Bundeskanzler Helmut Kohl 1982 als Anzeichen bundespolitischer Ambitionen.